Tatkraft-Woche 2014 – Rückblick

Als ich mich entscheiden habe, eine Woche lang in verschiedenen Unternehmen oder Einrichtungen mitzuarbeiten, war mein Ziel ganz klar: Einblicke gewinnen in den Arbeitsalltag und -ablauf der AachenerInnen, bevorzugt in meinem Wahlkreis oder in Berufsfeldern, die etwas mit meinem politischen Schwerpunkten (Arbeit, Soziales, Frauen) zu tun haben. Einzige Ausnahme: Rewe-Markt Stenten, weil mich der Einzelhandel schon immer interessiert hat.

Ganz bewusst habe ich die Presse nicht darüber informiert, es sei denn, die Unternehmen haben selbst Presse eingeladen. Und so ist mir ein Einblick in den Einzelhandel, den Pflegedienst, die Agentur für Arbeit, die Wäscherei Picco Bella und das Sozialkaufhaus auch gut gelungen.

Mein Job als Abgeordnete ist es, die Lebenswirklichkeit der Menschen kennen zu
lernen und daraus Rückschlüsse für mein politisches Handeln zu ziehen. Und
deshalb werde ich mich in Zukunft umso intensiver um den sozialen Arbeitsmarkt,
das Mega-Thema Pflege und die Rahmenbedingungen für ArbeitnehmerInnen und
Auszubildende kümmern.

Hier ein Rückblick auf die 2014er Tatkraft-Woche


Ein Tag im Öcher Einkaufszentrum: Tatkraft-Auftakt bei Rewe Stenten

Montagmorgen:
für den Rewe-Supermarkt am Krugenofen beginnt der Tag sehr früh. Bereits ab 6
Uhr wird frische Ware angeliefert und auch die Verwaltungsfachleute sind schon
um 7 Uhr im Büro und checken die Zahlen der vergangenen Woche am Computer. Ich
habe Glück, denn mein Tag beginnt erst ab 10 Uhr. Ich darf ihnen über die
Schulter schauen. Und ich staune später bei Frau Hartnack, Mitglied der
Marktleitung, nicht schlecht: wie aufwendig und logistisch ausgefuchst so ein
Supermarkt funktioniert, hätte ich nie gedacht. Nicht nur, dass man sich
anzeigen lassen kann, welche Artikel in den letzten Wochen nicht verkauft
worden sind (und woran das liegen kann), auch die Rewe-eigenen Produkte und
extern zugelieferten regionalen Waren wie Fleisch, Wurst, Käse, Eiern, Obst und
Gemüse etc. werden genau erfasst. Ab und zu blinkt es auf ihrem Bildschirm,
dann melden die zentral erfassten Kühltheken ihre Temperatur.
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Berufsberatung live: Ein Tag in der Agentur für Arbeit

Was soll nur aus mir werden? Diese Frage hat sich sicherlich schon jede/r
Jugendliche/r zum Ende seiner Schulzeit gestellt. Egal, ob Ausbildung, Studium
oder Freiwilliges soziales Jahr, Au-pair- oder Arbeitsaufenthalt im Ausland:
Die Möglichkeiten sind scheinbar unbegrenzt. Ich möchte mir ein Bild von den
Jugendlichen machen, die auf der Suche nach einer beruflichen Perspektive sind.
Und um herauszufinden, ob es die von Unternehmen viel beklagten Jugendlichen
gibt, die keinen Plan vom Leben haben, wirklich gibt, bin ich heute zu Gast in
der Berufsberatung der Agentur für Arbeit Aachen-Düren.
Nach einem Einblick ins BIZ (Berufsinformationszentrum) bin ich dann dabei, als
ein Berufsberater eine junge Frau zu ihren Ausbildungsmöglichkeiten berät. Ein
Problem dabei: die junge Frau erscheint mir zwar hochmotiviert, einen
Ausbildungsplatz als medizinische Fachangestellte zu finden, aber: sie ist
schwanger und möchte deshalb erst ab nächstem Jahr einen Ausbildungsstelle
suchen. Ein Berufsgrundschuljahr zur Vorbereitung auf das Tätigkeitsfeld Pflege
und Gesundheit hat sie schon gemacht, auch Praktika im Krankenhaus und beim
Tierarzt runden ihr Profil ab. „Ihr Berufswunsch, ihr gewünschtes
Tätigkeitsfeld ist also sehr stabil“, erklärt der Berufsberater, der sie schon
aus seinen Besuchen bei der Schule kennt. Trotzdem sieht sie kaum eine Chance,
noch in diesem Jahr eine Praxis zu finden.
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In die Mangel genommen: Ein Tag bei der Picco Bella

Puh, ist das warm an einer Heißmangel bei 26 Grad Außentemperatur! Aber ich habe es mir ja selbst so ausgesucht. Am dritten Tag meiner Tatkraft –Woche arbeite ich
bei der Picco Bella gGmbH in der Alexanderstraße und werde sofort ins Team
integriert: nach einer kurzen Vorstellung bin ich im Einsatz an der Heißmangel
und schiebe Handtücher, Tischdecken und Bettwäsche durch das 50 Grad heiße
Gerät. Dabei komme ich ins Gespräch mit Simone (Name geändert). Sie hat zuletzt
eine Förderschule in der StädteRegion besucht und aufgrund einer Rechenschwäche
große Probleme, überhaupt Arbeit zu finden. Jetzt ist sie bei der
Integrationsabteilung von Picco Bella beschäftigt, außer in der Textilpflege
kommt sie auch als Reinigungskraft bei externen Kunden zum Einsatz. Die Arbeit
macht ihr Spaß. Eine Arbeitnehmerin mittleren Alters hofft darauf, dass ihre
Stelle verlängert wird. Sie ist über das Projekt „öffentlich geförderte
Beschäftigung“ angestellt, und da es sich hierbei um ein Landesprojekt handelt,
höre ich besonders interessiert zu.
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Tatkraft im Sozialkaufhaus der WaBe

Der Tag am Freunder Weg im Sozialkaufhaus der WABe beginnt erst mal mit einer Tasse Kaffee. „Komm erst mal an“, begrüßt mich Alois Poquett, der Geschäftsführer der
WABe. Wir kennen uns und ich kenne das Sozialkaufhaus schon länger. Insgesamt
arbeiten ca. 50 Menschen im Sozialkaufhaus, alle sind über Programme wie
Bürgerarbeit, Arbeitsgelegenheiten (sog. 1-Euro-Jobs) und andere Maßnahmen
hierhergekommen. Deshalb dürfen auch nur SGB II-BezieherInnen oder andere
sozial benachteiligte Menschen hier mit entsprechendem Dokument einkaufen.

Für mich geht es als erstes an die Altkleider-Sortier-Station. Beim Auspacken
der vielen Säcke komme ich schnell mit den Kolleginnen ins Gespräch. Eine Frau
um die 50 erzählt, dass sie bereits ihren zweiten Einsatz hier hat. Weil sie
gesundheitliche Probleme hat und nicht so lange stehen kann, ist es nach einem
Praktikum im Einzelhandel leider nichts geworden mit einer festen Stelle. Viele
der Frauen sind ungelernte Kräfte. Und offenbar haben auch einiger der
„Spender“ nicht gelernt, was in einen Altkleider-Sack gehört und was nicht: uns
purzeln noch gefüllte (!) Butterbrotdosen entgegen…
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Tatkraft-Tag im ambulanten Pflegedienst Visitatis

Die erste Herausforderung an diesem Tag: Mein Wecker klingelt um 05:45. Das ist mir
eigentlich eindeutig zu früh, aber es hilft ja nichts. Ich starte um 6 Uhr mit
Nina vom ambulanten Pflegedienst Visitatis in Walheim zu ihrer täglichen Tour.
Sie erzählt mir im Auto, dass sie ihren Job sehr gern macht und die meisten
„ihrer“ zu Pflegenden Leute sehr nett und lieb zu ihr sind.

Wir fahren zuerst zu einem älteren Herrn, der im Bett gewaschen wird. Beim
Anziehen braucht er ebenfalls Hilfe, danach ist er aber für den Tag gerüstet
und kocht sich erst mal einen Kaffee. Keine 20 Minuten hat das gedauert,
mindestens eine Minute geht aber für die Dokumentation drauf. „Ich finde es
richtig, dass wir aufschreiben, was wir getan haben, schon allein deshalb, wenn
mal eine Kollegin die Strecke übernimmt“, meint Nina. Aber oftmals nimmt das
viel Zeit in Anspruch, die sie gern mit den Menschen verbringen und plaudern
würde.
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