Tatkraft-Woche 2016 – Rückblick

Tatkraft-Tag bei der Feuerwehr

„Guten Morgen, meine Herren“. Als Vorsitzende des Frauenausschusses ist eine solche Anrede für mich eher selten, aber an diesem Morgen um 07:30 Uhr sind bei der Feuerwehr tatsächlich nur Männer anwesend…IMG_9395
Einen ganzen Tag werde ich in der Interimswache Auf der Hüls verbringen.
Nach der Einkleidung geht es direkt los: Ein Rauchmelder in einem Seniorenheim schlägt Alarm. „Bei einem Seniorenheim ist davon auszugehen, dass eine potenziell größere Anzahl von hilflosen Personen in Sicherheit gebracht werden muss“, erklärt mir Herr Pütz. Deshalb rücken direkt zwei Löschfahrzeuge aus. Nach schneller Fahrt mit Blaulicht erreichen wir das Seniorenheim. Der Einsatzverantwortliche Herr Schröder geht zielsicher auf die Box mit den Feuerwehr-Laufkarten zu und entnimmt die Mappe. Mit ihrer Hilfe gehen meine Kollegen und ich zur Einsatzstelle, das kleine Apartment einer älteren Dame. Sie guckt sehr schuldbewusst, und es stellt sich heraus, dass sie ihre heimlich gerauchte Zigarette in ein Stück Papier gewickelt hat, das prompt anfing zu qualmen und den Alarm ausgelöst hat. Wir können uns also auf den Rückweg machen, zum Glück nur falscher Alarm!
IMG_8234Wieder zurück in der Hauptwache darf ich mir den Hubrettungswagen und das Fahrzeug mit Löschspritze ansehen. Damit können Brände in oberen Etagen oder höheren Gebäuden gelöscht werden.
Danach kann ich mir in der Praxis angucken, womit wir uns im Ausschuss für Arbeit, Gesundheit und Soziales schon oft theoretisch beschäftigt haben: das Telenotarzt-System, entwickelt in Aachen. Ich bin beeindruckt von der hochkomplexen Technik im RTW (Rettungswagen), die es erlaubt, Bilder und Daten aus dem Rettungswagen an einen Notarzt zu übermitteln. Von einer Einsatzzentrale aus kann er anhand von EKG-Aufnahmen und anderen Vitalparametern, in-Augenscheinnahme des Patienten und Gesprächen mit dem vor Ort tätigen Notfallsanitäter eine erste Diagnose stellen, um die Aufnahme in der Klinik vorzubereiten. „Aus meiner Sicht ist das genau das, was uns gefehlt hat, gerade bei Schlaganfall- oder Herzinfarkt-Patienten“, ist der Notfallsanitäter Herr Ekberg überzeugt. Der einzige Nachteil: es fehlen zwei Hände zum Tragen des Patienten.
IMG_9398Wie gut das System funktioniert, davon kann ich mich am Nachmittag überzeugen: kurz vor dem gemeinsamen Essen rückt das NEF (Notarzteinsatzfahrzeug) mit einer Notärztin und ein KTW (Krankentransportwagen) mit Besatzung aus. Mir ist ein bisschen mulmig zumute, denn der Wagen fährt mit hoher Geschwindigkeit und Blaulicht quer durch Aachen. Der Patient erläutert uns seine Beschwerden: Druck auf der Brust und Schmerz, der in den linken Arm ausstrahlt. Da es sich um einen relativ jungen Mann handelt, wird er zur Beobachtung mit ins Klinikum genommen. Jetzt kommt das das Telenotarzt-System zum Einsatz: die Notärztin vor Ort kann EKG-Daten, bislang verabreichte Medikamente und andere Vitalparamater an ihren Kollegen in der Zentrale übermitteln, so kann die Aufnahme gut vorbereitet werden. Mit Blaulicht geht es zurück, und die junge Notärztin erklärt mir leise, dass es sich vermutlich um einen leichten Herzinfarkt handelt.
Die Mittagspause verbringen die Feuerwehrleute gemeinsam oder allein, denn jeder hat ein eigenes Bett, zumeist in Zweibettzimmern. Die Situation ist aktuell nicht optimal, denn durch den Umbau der Hauptfeuerwache auf der Stolberger Straße sind die Feuerwehrleute im Ausweichquartier Auf der Hüls in Containern untergebracht. Zumindest Klimaanlagen wurden dort eingebaut, und das ist an einem solchen heißen Tag auch dringend erforderlich.
Der dritte Einsatz an diesem Tag ist ein Verkehrsunfall vor dem Hauptbahnhof. Nach übereinstimmenden Zeugenaussagen ist ein Radfahrer über Rot gefahren und von einem Auto erfasst worden. Schnell hat die Polizei die Straße abgesperrt und die Feuerwehr kann sich um den verletzten Fahrradfahrer und die vier Insassen des Autos kümmern. Dass der Fahrer leicht unter Schock steht, stellt sich erst eine Viertelstunde nach dem Aufprall heraus. Die Feuerwehr und Sanitäter kümmern sich um ihn und stellen sicher, dass die drei älteren Herrschaften im Wagen, die gerade von einer Dialyse zurückkommen, ebenfalls wohlauf sind. Nach einer halben Stunde rücken wir wieder ab.

Als ich bei meinen Ansprechpartnern für diesen Tag, Herrn Sauren und Herrn Winkler, nachfrage, wie die Rekrutierung für Frauen läuft, antworten sie eher zurückhaltend: Als Maschinistinnen, auf der Leitstelle und auch bei anderen Tätigkeiten, sind Frauen sehr gut einzusetzen, aber die schwere Brandausrüstung und teilweise hohe körperlichen Belastungen im Einsatz erfordern Kraft und eine gute körperliche Konstitution. Ich mache den Test und trage kurz darauf einIMG_9396e feuerfeste Hose, Jacke und Helm mit Nackenschutz und die Atemschutzausrüstung inkl. Sauerstofflasche auf dem Rücken. Das sind ca. 29 kg, hinzukommen noch eine Taschenlampe, Funkgerät und Wärmebildkamera. Puh, mir bricht bei der kleinsten Bewegung der Schweiß aus, das Rein- und Rausklettern aus dem Feuerwehrwagen ist richtig anstrengend. „Stellen Sie sich vor, sie laufen damit durch beißenden Rauch in den dritten Stock“, gibt mir ein Kollege zu bedenken. Natürlich kann ich deshalb nachher verstehen, dass man eine gute körperliche Konstitution haben muss, gerade wenn man bei Verkehrsunfällen auch noch mit schwerem Gerät arbeiten muss. Dennoch: auch Altenpflegerinnen haben schwer zu heben, und es gibt bei der Feuerwehr eben nicht nur Einsätze, bei denen es auf körperliche Kraft ankommt.
Ein großes Problem für die Kolleginnen und Kollegen ist der mangelnden Respekt: „Es ist an der Tagesordnung, dass wir bei unseren Einsätzen gefilmt werden, jeder Schritt wird genau beobachtet, wir werden angepöbelt und müssen gerade im Rettungsdienst sehr vorsichtig sein, wenn wir in Wohnungen gehen, um dort Verletzten zu helfen“, erklärt Herr Ekberg.
Nach 10 Stunden bin ich ziemlich erledigt, aber auch schwer beeindruckt: ein vielseitiger Beruf, der für viel Adrenalin sorgt, aber gerade deshalb nichts für Adrenalin-Junkies ist. Ein hohes technisches Verständnis, Umsicht, Einsatzbereitschaft und vor allem Teamfähigkeit ist erforderlich, um ein guter Feuerwehrmann zu sein. Oder eben Feuerwehrfrau.


 

Tatkraft-Tag im dm

„Frau Jansen- ich berate Sie gern“ steht auf meinem Namensschild, das am dm-Kittel befestigt ist. Mein Tatkraft-Tag im dm im Aquis Plaza beginnt um 9 Uhr morgens. Die Kolleginnen des Einräumdienstes haben schon drei Stunden lang gearbeitet und die Regale bestückt. Marktleiterin Frau Schmidt und Assistent Herr Hill erklären mir zunächst bei einer Tasse Kaffee, wie ihr persönlicher Weg sie in den dm geführt hat. Beide sind ausgebildete Drogistin bzw. Drogist, und auch jetzt hat die Filiale unter ihren insgesamt 24 Teammitgliedern 2 Azubis. Foto: Birgit Triesch
Nachdem wir auch geklärt haben, wie mich mein Weg in die Politik und den Landtag geführt hat, geht es los: „Wir machen jetzt die Defektur“, erklärt Frau Schmidt, und schon schieben wir einen Regal mit bio-Produkten in den Gang. Ich räume Nudeln aus Kichererbsenmehl, Kokoswasser und vegetarische Bolognese ein und merke nach einer halben Stunde: das ist ganz schön anstrengend! Bücken, heben, ausräumen und gleichzeitig als Ansprechpartnerin für die Kundinnen bereit zu stehen, erfordert Konzentration.
Eine ältere Dame fragt nach einem Hygieneartikel, der aktuell nicht im Regal zu finden ist. Mit dem Schild in der Hand gehe ich nach hinten ins Lager, Frau Schmidt scannt die Nummer ein, und siehe da: es sind noch Packungen vorrätig, die ich auch finde und der Kundin gebe. Weiter geht es mit dem einräumen, dieses Mal sind Duschgels und Schaumbäder auf meinem Wagen. Mich spricht ein Kunde an, deren Begleiterin nur spanisch spricht: „Ich hab doch keine Ahnung von Shampoo, können Sie uns mal helfen?“ fragt er im schönsten Öcher Slang. Aber gern, mein Spanisch entspricht zwar wahrscheinlich dem Standard einer Grundschülerin, aber nach einer kurzen Beratung zu Haarbeschaffenheit, Farbe und Pflegebedarf kann ich mit Shampoo und Spülung weiter helfen. Beide gehen zufrieden zur Kasse. „Durch die Beratung setzen wir uns deutlich von anderen Discountern ab, die auch Kosmetikprodukte verkaufen“, erklärt Frau Schmidt. Alle Mitarbeiterinnen, mit denen ich an diesem Tag sprechen kann, sind voll zufrieden mit ihrem Arbeitgeber, loben Entwicklungsmöglichkeiten und ich bin überrascht, dass die Vollzeit-Arbeit 37,5 Stunden entspricht.
Foto: Birgit TrieschNach meiner Mittagspause wird es dann ernst: Nach meiner Anfrage an den dm zu meinem Tatkraft-Einsatz bot mir das Unternehmen an, eine Stunde zu kassieren und den Erlös plus einem Obolus an einen von mir benannten guten Zweck zu spenden. Ich habe mich für das Projekt der WABe e.V. „FrauenNotWohnen“ entschieden, das wohnunsglosen Frauen eine Bleibe bieten soll.
Um 15 Uhr sitze ich mit Unterstützung von Herrn Hill an der Kasse und es geht los. Ich sehe sofort, dass viele meiner Bekannten, Freunde und auch die Mitarbeiterinnen der WABe selbst gekommen sind, um den Umsatz in die Höhe zu treiben. Und da ich keine größeren Schäden in und an der Kasse verursache und die Leute alle sehr freundlich sind und auf mich Neuling Rücksicht nehmen, kommt die großartige Summe von 2.700 € zusammen, die der dm auf 5.400 € verdoppelt!!! Foto: Birgit Triesch
Ein tolles Ergebnis und ein toller Tag…

Vielen lieben Dank an dm und die netten Kolleginnen und Kollegen für diesen Tag, die Eindrücke und nicht zuletzt für die großzügige Spende.

 

Fotos: Birgit Triesch


 

Tatkraft-Tag in der Tagespflege Am Pannhaus

Mein Tatkraft-Tag beginnt pünktlich mit der offiziellen Öffnungszeit um 8 Uhr in der Tagespflege „Am Pannhaus“.
„Gemeinsam statt einsam“- unter diesem Motto kommen am Severinusplatz mitten in Eilendorf Menschen zusammen, um Gemeinschaft zu erleben und gleichzeitig professionelle Betreuung zu erfahren. Im Moment sind von den 15 Plätzen acht belegt, alles Frauen im Alter von 80 bis 91 Jahren.DSC_3243
Zunächst wird gefrühstückt, und das ganz in Ruhe. Manche benötigen ein bisschen Anleitung und Ermunterung zum Essen, andere schaffen ein Brötchen, Ei und Vollkornbrot sowie ein Schälchen mit Obst. Die stellvertretende Pflegedienstleiterin Frau Diehl, Altenpflegeschülerin Frau Breier und die Praktikantin und zukünftige Betreuungsfachkraft Frau Esser helfen den Besucherinnen dabei. Nach und nach trudeln alle Damen ein, bis um halb zehn alle komplett sind. Der Morgen beginnt nach dem Tisch abräumen mit gemeinsamem Singen. Weil heute Donnerstag ist, freuen sich alle schon auf den gemeinsamen Marktbummel.
Pannhaus2Wir gehen und schieben alle vor das Haus und kaufen Obst und Blumen, dabei treffen wir eine Gruppe aus dem Seniorenzentrum St. Severin. Frau Schmitz, Frau Salber und Frau Kohl treffen viele Bekannte auf dem Markt und halten ein Schwätzchen. Beinahe alle kommen auch gebürtig aus Eilendorf, und entsprechend hoch ist ihr Bekanntheitsgrad. Mir wird klar, wie verwurzelt die Menschen hier sind, denn auch am Nachmittag wird mit vorbei kommenden Bürgerinnen und Bürgern von der Terrasse aus der neueste Klatsch aus Eilendorf ausgetauscht. Im Anschluss drehen wir mit den mobileren der Bewohnerinnen noch eine kurze Runde durch den Stadtteil.
Vor dem Mittag essen spielen wir gemeinsam noch eine Runde Jokkalo. DSC_3240Ich staune, wie flink Frau Kohl und Frau Otten, die im Moment auf den Rollstuhl angewiesen ist, die runden Holzscheiben über das Spielbrett schieben und so Punkte sammeln. „Wir haben so unsere Favoritinnen auf den Sieg, manche sind ganz verrückt nach dem Spiel“, verrät Frau Breier verschmitzt.
Bevor das heutige Essen kommt, wird die Bestellung für die nächste Woche abgefragt. Das Essen wird vom Marienhospital geliefert, und alle sind sich einig: Das ist richtig lecker! Nur Frau Rohmann möchte nichts bestellen. Frau Diehl wendet vorsichtig ein, dass sie dann die einzige am Tisch wäre, die nichts bekommt. „Ich esse immer am Tisch“, erwidert diese empört, und sie einigen sich auf Sauerbraten.
„Unsere Tagespflege bietet eine enorme Entlastung für die Angehörigen“, erläutert Frau Braun, die Pflegedienstleitung. Wenn eine Frau jenseits der 80 immer aufstehen und helfen will, eine andere ständig fragt, wann man denn mal zu den Nachbarn gehen könnte, um nach den vermissten Glace-Handschuhen zu fragen und andere beim Toilettengang auf Hilfe angewiesen sind, wird schnell klar: da kommen Töchter, Söhne und Enkel an ihre Grenzen. Dementiell veränderte Menschen schaffen nicht mehr alles allein, sind aber auch nicht zwingend auf einen Platz im Pflegeheim angewiesen. Ihr Aufenthalt in der Tagespflege wird finanziert nach SGB XI § 87b oder durch den Pflegesatz in der festgestellten Pflegestufe.
Gerne würden die Mitarbeiterinnen des Pannhauses noch Unterstützung von Ehrenamtlichen haben, um zum Beispiel ein Freizeitangebot auszurichten oder Hilfe bei der Hausarbeit zu haben. Denn abspülen, putzen und fegen gehört auch zu den Aufgaben des Fachpersonals.
Mir hat der Tag in jedem Fall gut gefallen, und der Slogan „Ambulant statt stationär“ wurde am heutigen Tag mit Leben gefüllt.