Delegation Ausschuss für Frauen, Gleichstellung und Emanzipation in Barcelona

Barcelona hat als Stadt viel zu bieten – leider hatten wir im Rahmen unserer Delegationsreise des Ausschusses für Frauen, Gleichstellung und Emanzipation vom 14.11.2016 bis 16.11.2016  kaum Zeit für ein touristisches Programm…14 Termine in 3 Tagen, alles in Sachen Frauenpolitik.
In Barcelona angekommen empfing uns das deutsche Generalkonsulat zu einem Briefing über die politische Lage in Spanien, in der Autonomen Gemeinschaft Katalonien sowie die kommunalpolitischen Situation in Barcelona unter besonderer Berücksichtigung der Situation der Frauen.

Anschließend klärte uns die Generaldirektorin Eugenia Bieto Caubet der Einrichtung ESADE über die Entwicklung des Frauenanteils in verschiedenen Studiengängen auf.  ESADE ist eine Einrichtung der privaten Ramon-Llul-Universität, deren Fakultät der „Business School“ gehört zu den führenden Wirtschaftshochschulen.

Am Nachmittag empfing uns die Präsidentin des Parlaments von Katalonien. Zusammen mit einigen Abgeordneten des Innen- und des Gleichstellungsausschusses informierte uns Präsidentin Carme Forcadell über die Politik zur Förderung der Gleichstellung katalonischer Frauen. Bei diesem Treffen standen neben der Entwicklung des Katalanischen Gleichstellungsgesetzes vor allem die Frauenquote in den Fraktionen des Parlaments, in den Ministerien und in der kommunalen Führungsebene sowie Richtlinien gegen die Ausbeutung von Frauen und Prostitution und Maßnahmen zur Bekämpfung von häuslicher Gewalt im Mittelpunkt.

Am zweiten Tag besuchten wir das Ministerium für Arbeit, Soziales und Familie.
Dort lernten wir die Generaldirektorin Mireia Mata i solsona und weitere Mitarbeiterinnen kennen, welche mit uns zusammen über Chancengleichheit im Arbeitsleben diskutierten.

Im Anschluss unterhielten wir uns mit der die Direktorin von „SIE – Servei d’Intervencio Especialitzadaeine“, einer Einrichtung der katalanischen Regierung, die soziale Dienstleistungen für weibliche Opfer häuslicher Gewalt anbieten. Für unsere NRW-Delegation war besonders interessant, dass es erst nach dem Ende der Franco-Diktatur zur Etablierung einer Hilfeinfrastruktur für von Gewalt betroffenen Frauen gekommen ist. Im Unterschied zu Deutschland entstand allerdings eine staatlich organisierte und finanzierte Hilfestruktur, die es erlaubt, die ganze Familie stärker in den Fokus zu nehmen statt nur die von Gewalt Betroffene Frau.

Am Nachmittag besichtigten wir das Rathaus von Barcelona. Die Leiterin der Abteilung für Gleichstellung gab uns einen Überblick über die Geschlechterperspektive aller Politikbereiche sowie den Gleichstellungplan der Stadt Barcelona. Besonders beeindruckt hat uns dabei, das Gleichstellung hier wirklich als Querschnittsthema begriffen wird: von der Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel durch Frauen, über Wohnungs- und Sozialpolitik wird Frauenpolitik durch alle Politikfelder mitgedacht.

Das  SARA – Zentrum für Opfer von häuslicher Gewalt besuchten wir am Morgen unseres Abreisetages. Die Hauptaufgabe des Zentrums besteht in der Aufnahme und Betreuung der Opfer von männlicher Gewalt.

Anschließend ermöglichte Clarisa Velocci uns die feministische Sicht auf die Situation der Prostituierten und vom Menschenhandel betroffenen Frauen. Clarisa Velocci ist die Direktorin des Verbandes GENERA, welcher sich für die Verteidigung der Rechte von Frauen, die als Prostituierte arbeiten, stark macht.

Am frühen Nachmittag dieses Tages besuchten wir zudem noch die katalanische Regierungsorganisation „Instituto Català de les Dones“. Strategische Richtlinien zur Gleichstellung und Handlungsstrategien nach dem katalanischen Gesetz über das Recht der Frauen auf Ausmerzen der Männergewalt standen bei diesem Treffen im Fokus. Übrigens heißt so auch das Gesetz, über das wir in leidenschaftlicher feministischer Manier informiert worden sind.

Als letzten Programmpunkt unserer Informationsfahrt nach Barcelona besuchten wir Associacio de Dones Emprendedores – den Verband katalanischer Unternehmerinnen. Dort wurden verschiedene Strategien der Gleichstellung in der Wirtschaft diskutiert. Die Unternehmerinnen berichteten vor allem darüber, wie schwierig es ist, alle Interessensvereinigungen unter einen Hut zu bringen und so eine entsprechende gewichtige Stimme zu bilden.

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