Im Gespräch über die Herausforderungen des Handwerks in NRW

SPD-Abgeordnete in der Enquetekommission zur Zukunft des Handwerks besuchten die Handwerkskammer Aachen und die Bäckerei Leo

Die Abgeordneten trafen in der Handwerkskammer Aachen den Geschäftsführer Herrn Peter Deckers und die Bereichsleiter für die Themen Aus- und Weiterbildung, Bildungsstätten und Digitalisierung.
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Die Digitalisierung und die nötige Anpassung der Handwerkerberufe und Betriebe an diese standen auch im Mittelpunkt des gemeinsamen Gespräches. So wurde deutlich, dass einer Modernisierung der Handwerksbetriebe oft nicht die reine Bequemlichkeit im Wege steht, sondern eine Überlastung durch Auftragsdichte, Bürokratie und die Schnelligkeit der Entwicklung im Bereich Digitalisierung.

Einige Gewerke sind aber auch schon sehr weit in Fragen der Digitalisierung. Dort werden schon ganze Planungsschritte online abgestimmt, verschickt und beauftragt. Beispielhaft ist hier die Bau- und Sanitärbranche. „Für viele Gewerke steht aber auch die Frage der Wirtschaftlichkeit im Vordergrund. Ist die Investition z.B. in eine CNC-Fräse oder in ein Planungsprogramm im Wert von mehreren 10.000 Euro für mich sinnvoll und kann mein Betrieb diesen Markt auch bedienen“, fasst der Sprecher der SPD in der EK Handwerk, Rainer Thiel MdL, die offenen Fragen vieler Betriebsinhaber zusammen und ergänzt: „Diese und viele weiteren Fragen wird die Enquetekommission diskutieren müssen. Ebenso muss der Breitbandausbau weiter vorangetrieben werden. Wir können keine Digitalisierung von den Betrieben fordern und dann weiße Flecken auf der Karte in der Versorgung haben.“

Eine besondere Herausforderung stellt auch das Thema Fachkräftesicherung und -Gewinnung dar. Das Handwerk ist bereits sehr aktiv bei der Integration von Flüchtlingen, außerdem steigt der Anteil an Abiturientinnen und Abiturienten. Oftmals ist es allerdings schwierig, die Fachkräfte dann nicht nach der Ausbildung an die Industrie zu verlieren.

Weiterhin wurde diskutiert, inwieweit man die Ausbildungsordnung anpassen müsse, um auch weiterhin für junge Menschen attraktiv zu sein und den klassischen Handwerksberufen ein „Facelifting“ zu verpassen. „Viele junge Menschen kommunizieren heute über Smartphones. Hier liegen große Potenziale, um Bildungsinhalte an die jungen Menschen zu vermitteln und das Smartphone auch als Handwerkszeug mit in die Arbeitsabläufe zu integrieren. Das Image einer Ausbildung im Handwerk kann davon nur profitieren,“ ist sich stellvertretende Vorsitzende der EK Handwerk, Daniela Jansen MdL aus Aachen, sicher. Sie werden diese Erkenntnis auch in die Arbeit der Enquete-Kommission hineintragen. Denn natürlich sind auch der Fachkräftemangel und die Nachwuchsgewinnung für viele Gewerke eines der größten Probleme. Das zum Teil schlechte Image des Handwerks und der anhaltende Trend zur Akademisierung führen sinkende Bewerberzahlen für die Berufe im Handwerk. Besonders schlimm ist die Lage laut Geschäftsführer Deckers im Friseur und Bauhandwerk. Aber auch in ganz klassischen Gewerken wie dem Bäckerhandwerk gibt es immense Probleme bei der Suche nach geeigneten Auszubildenden.

_DSC0478Das bestätigte der SPD-Delegation auch Johannes Schumacher, Geschäftsführer der LEO Bäckerei in Aachen. Das Bäckereiunternehmen, welches mit 26 eigenen Filialen und rund 200 Mitarbeitern in Aachen und der Region vertreten ist, bot den SPD-Vertretern einen interessanten Einblick in den Produktionsablauf des Backwerk- und Konditorproduzenten. Im gemeinsamen Gespräch erklärte Schumacher, dass er insbesondere die bürokratischen Auflagen der Digitalisierung kritisiert. Bei vielen Modernisierungen und Innovationen müsse ein enormer Dokumentationsdienst geleistet werden, um die Europäischen und deutschen Normen einzuhalten. Das ist für einen größeren mittelständigen Betrieb noch gerade so neben dem eigentlichen Tagesgeschäft erfüllbar, für einen kleineren Betrieb dürften diese Dokumentationen, z.B. in der Optimierung des Stromverbrauchs bei automatisierten Anlagen, nicht mit dem vorhandenen Personal darstellbar sein. Hinzu kommt das Problem, dass sich kaum noch geeignete Personen auf den Ausbildungsberuf des Konditors oder Bäckers bewerben. So konnte die Fa. Leo gerade einmal einen Ausbildungsplatz für das Jahr 2016 besetzen.

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