Neue Konzepte in der Frauenhausarbeit und Frauenhilfeinfrastruktur

Gewalt gegen Frauen ist kein Kavaliersdelikt. Nach wie vor leiden Frauen unter häuslicher Gewalt und flüchten sich in Frauenhäuser. Aber ist dieses Modell einer anonymen Unterbringung mit einer einseitig parteiischen Beratung der Frau noch der richtige Weg? Immer mehr Frauen berichten, dass sie die Gewalt beenden möchten, nicht aber die Beziehung…
Bereits im Dezember 2013 hat sich der Ausschuss für Frauen, Gleichstellung und Emanzipation im Rahmen eines Sachverständigengesprächs mit dem Thema „Oranje Huis- auch ein Konzept für NRW?“ beschäftigt. Vorausgegangen war ein Besuch des Ausschusses in den Niederlanden, denn in unserem Nachbarland gibt es die „Oranje Huizen“ für von Gewalt betroffene Frauen, die mit einem systemischen Ansatz unter Einbezug der ganzen Familie arbeiten und deren Adresse auch – anders als die Frauenhäuser in Deutschland – bekannt sind. Bei diesem Sachverständigen Gespräch berichteten zwei der Eingeladenen, dass sie bereits in Ansätzen mit diesem neuen Modell arbeiten.

Es ist also an der Zeit für ein Update. Frau Pallmann vom Paritätischen NRW macht bereits zu Anfang deutlich, dass das Modell Oranje Huis nicht 1:1 auf NRW übertragbar ist. Zusätzliche Ausstattungen, aber auch eine intensivere Schnittstellenklärung zwischen den verschiedenen Hilfeeinrichtungen wie Frauenhaus, Erziehungsberatung, Familientherapie und Jobcenter sei nötig. Als Frau aus der Praxis berichtet Frau Schmidt Sawatzki über die Erfahrungen mit dem „Hexenhaus Espelkamp“.
Dabei wird 1. Die systemische Perspektive eingenommen, das heißt, die Frau verlässt die Opferrolle, stellt aber auch ihre Selbstwirksamkeit fest. Auch hierbei werden die verschiedenen Unterstützungssysteme einbezogen.
2. Prinzip: Sichtbar, aber sicher! Die Adresse des Frauenhauses im Modellprojekt ist bekannt, es gibt aber auch einen Begegnungsraum für Bewohnerinnen und ihre Besucher. Ein „Risiko-Screening“ gibt Aufschluss darüber, ob die Frau hoch gefährdet ist und somit woanders untergenbracht werden sollte.
3. Das Hexenhaus arbeitet mit systemischen Methoden und entwickelt einen Perspektiv- und Stabilisierungsplan, in dem die verschiedenen Phasen des Aufenthalts bis hin zum Auszug festgehalten werden.
Als vierter wichtiger Punkt werden die Kinder als eigene Zielgruppe mit spezifischen Angeboten begriffen.
Als Vision benannten die Fachfrauen, das Frauenhaus im Jahr 2020 als Knotenpunkt im Kontext häuslicher Gewalt existiert und so nachhaltig zu einem Abbau der Gewalt gegen Frauen beitragen kann.

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