Besuch bei Prodia

Vor kurzem besuchte die Landtagsabgeordnete Daniela Jansen die Werkstatt für behinderte Menschen „Prodia“.
Es handelt sich dabei um eine Einrichtung des Kolpingwerkes für Erwachsene mit psychischer Behinderung, die auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt nicht, noch nicht oder nicht mehr erwerbsfähig sind. In einem ausführlichen Gespräch und einem anschließenden Besuch mit dem Geschäftsführer Norbert Schwertfeger, der pädagogischen Leiterin Inge Henn-Schiffer sowie den Betriebsleitern und Mitgliedern des Werkstattrates machte sie sich ein persönliches Bild von der Situation psychisch behinderter Menschen.
Die anerkannte Behindertenwerkstatt hat zum einem den gesellschaftlichen Auftrag, die Leistungsfähigkeit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu stabilisieren und auszubauen und zum anderen die beruflichen Tätigkeit dauerhaft zu sichern.
Mit dem Bild von behinderten Menschen, die in einer Werkstatt hauptsächlich beschäftigt werden und an ihrem Arbeitsplatz allein vor sich hin puzzeln, hat die Prodia wenig gemein. An ihren zwei Standorten an der Philipsstrasse in Aachen-Ost und in der Karl-Kuck-Str in Aachen-Brand können sich die MitarbeiterInnen in insgesamt 7 Berufsfeldern ausprobieren.

Im Textilbereich werden selbst designte Stoffe hergestellt, danach werden Tischdecken, Kissen und auch Auftragsarbeiten für Designer hergestelltproduziert. „Diese Arbeit erfordert Koordinationsfähigkeit und ist ergebnisorientiert, was für viele unserer MitarbeiterInnen sehr wichtig ist“, erläutert Inge Henn-Schiffers. Verkauft werden die Produkte auf Handwerkermärkten der Region und als Auftragsarbeiten an Privat- und teilweise auch als Zulieferer für Geschäftskunden. Das gilt ebenfalls für Aufträge der Schreinerei, auch Teile für den e-scooter werden von Prodia produziert.
Auch beim Verpflegungsservice gibt es eine echte Marktsituation: Die Küche in Brand verpflegt nicht nur die eigenen MitarbeiterInnen, sondern beliefert auch Kitas mit ihrem Mittagstisch.
Im Industrie- und Montagebereich sind einige so genannte Außenarbeitsplätze auf dem Philips-Gelände angesiedelt. Die MitarbeiterInnen kontrollieren Retouren, sortieren Lampen und führen andere Tätigkeiten durch. Das wichtigste ist jedoch: sie arbeiten zusammen mit den regulären Beschäftigten im jeweiligen Unternehmen, machen Späße und verbringen zusammen ihre Pausen. „Natürlich benötigen unsere MitarbeiterInnen mehr und längere Pausen als ihre Kollegen“, so Norbert Schwertfeger. Manchmal haben die Menschen einen sehr langen und steinigen Weg hinter sich. Von der Ärztin bis zum Diplom-Chemiker reichen die vormaligen Berufsbilder, einige sind bereits seit 10 Jahren in der Werkstatt oder möchten den geschützten Raum nicht verlassen. Durch Misserfolge auf dem ersten Arbeitsmarkt oder auch persönliche und gesundheitliche Rückschläge sind sie in Schieflage geraten, daher ist der geschützte Raum in der Werkstatt mit geregelten Abläufen, sozialpädagogischen Ansprechpartnern, erfahrenen AnleiterInnen und den KollegInnen für ihre Stabilisierung enorm wichtig. Zu den Krankheitsbildern gehören ADHS, Psychosen, Autismus und andere.
Zum Thema Teilhabe und Inklusion siehe auch den Antrag der SPD-Fraktion zum Teilhaberecht/Eingliederung.

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