Berufsberatung live: Ein Tag in der Agentur für Arbeit im Rahmen meiner Tatkraft-Woche

Was soll nur aus mir werden? Diese Frage hat sich sicherlich schon jede/r Jugendliche/r zum Ende seiner Schulzeit gestellt. Egal, ob Ausbildung, Studium oder Freiwilliges soziales Jahr, Au-pair- oder Arbeitsaufenthalt im Ausland: Die Möglichkeiten sind scheinbar unbegrenzt. Ich möchte mir ein Bild von den Jugendlichen machen, die auf der Suche nach einer beruflichen Perspektive sind. Und um herauszufinden, ob es die von Unternehmen viel beklagten Jugendlichen gibt, die keinen Plan vom Leben haben, wirklich gibt, bin ich heute zu Gast in der Berufsberatung der Agentur für Arbeit Aachen-Düren.

Nach einem Einblick ins BIZ (Berufsinformationszentrum) bin ich dann dabei, als ein Berufsberater eine junge Frau zu ihren Ausbildungsmöglichkeiten berät. Ein Problem dabei: die junge Frau erscheint mir zwar hochmotiviert, einen Ausbildungsplatz als medizinische Fachangestellte zu finden, aber: sie ist schwanger und möchte deshalb erst ab nächstem Jahr einen Ausbildungsstelle suchen. Ein Berufsgrundschuljahr zur Vorbereitung auf das Tätigkeitsfeld Pflege und Gesundheit hat sie schon gemacht, auch Praktika im Krankenhaus und beim Tierarzt runden ihr Profil ab. „Ihr Berufswunsch, ihr gewünschtes Tätigkeitsfeld ist also sehr stabil“, erklärt der Berufsberater, der sie schon aus seinen Besuchen bei der Schule kennt. Trotzdem sieht sie kaum eine Chance, noch in diesem Jahr eine Praxis zu finden.
Und tatsächlich scheint es so zu sein, dass ein Kind oder eine Schwangerschaft immer noch ein großes Hindernis bei der Ausbildungsplatzsuche sind. Bei meiner nächsten Station, der Beauftragten für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt, Andrea Hilger, erlebe ich beinahe dieselbe Situation. Die junge Frau, die ihr Kind ausnahmsweise mitgebracht hat, sucht eine Ausbildungsstelle in Teilzeit im Einzelhandel. Auch hier stimmt der Lebenslauf: ein sehr guter Schulabschluss, bereits Erfahrung im Einzelhandel, ein ansprechendes Erscheinungsbild, dennoch haben ihre Versuche bislang nicht gefruchtet. Ich komme ins Grübeln: kann es sein, dass dieselben Unternehmen, die ihr eine Chance vor ihrer Schwangerschaft als Vollzeit-Handelsfachwirtin gegeben hätten, jetzt eine Teilzeit-Ausbildung ablehnen? Andrea Hilger nickt. „Ja, diese Möglichkeit der Ausbildung ist noch zu wenig bekannt, obwohl wir viel Werbung machen“. Als sie eine Liste mit möglichen Ausbildungsbetrieben vorlegt, erkenne ich sofort ein mir bekanntes Unternehmen. Kurz entschlossen greife ich zum Telefonhörer und kann zumindest erreichen, dass wir die Bewerbungsunterlagen zuschicken können.
Beim Abschlussgespräch mit der Geschäftsführerin der Agentur, Gabriele Hilger, und der zuständigen Abteilungsleitung Jutta Schmid kann ich daher zumindest von diesem kleinen Erfolg berichten. Und wir verabreden, weiter im Gespräch zu bleiben, über dieses und weitere Themen der Arbeitsmarktpolitik.

Weitere Infos zur Teilzeitberufsausbildung: http://www.arbeitsagentur.de/web/content/DE/Unternehmen/Ausbildung/Ausbildungsformen/AusbildunginTeilzeit/index.htm

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