Sorge um Zukunft der Hebammen

Die Zukunft der Geburtshilfe war heute Thema im Frauenausschuss (Vorsitz Daniela Jansen, SPD). Die Abgeordneten ließen sich von der Hebamme Claudia Erdmann darüber informieren, was die Prämienerhöhung der Berufshaftpflichtversicherungen für sie und ihre Kolleginnen bedeutet.

Erdmann erläuterte, dass nicht nur Hebammen, sondern auch kleine Krankenhäuser aufgeben müssten, weil sie die Haftpflichtversicherung nicht mehr zahlen könnten. Es gebe sogar Fälle, in denen unterhalb der Haftungsdeckung gearbeitet werde und die Hebammen im Ernstfall mit ihrem Privatvermögen haften müssten. Dabei sei die Zahl der Schadensfälle keineswegs gestiegen, sondern nur die Schadenssumme im Einzelfall: Sozialversicherungsträger stellten immer höhere Regressansprüche, weil erstens die medizinische Versorgung und damit auch die Lebensdauer für krank geborene Menschen besser beziehungsweise länger geworden sei. Zweitens werde davon ausgegangen, dass beispielsweise das Kind einer Akademikerfamilie automatisch ein hohes Einkommen erzielt hätte, wäre es gesund geboren worden – und damit dann hochgerechnet immense auf den Sozialversicherungsträger übergegangene Schadensersatzansprüche nach sich ziehe.

Forderungen

Vor diesem Hintergrund benannte die Hebamme die Forderung ihres Berufsverbands: den Verzicht der Rentenversicherungsträger auf solche Forderungen, die entsprechend überhöhte Versicherungsbeiträge für Hebammen bedeuteten. Die Solidargemeinschaft sei einfach zu klein, um solche Forderungen zu tragen. Die Idee, die Hebammenleistungen seitens der Krankenkassen besser zu vergüten, hielt Erdmann für höchstens kurzfristig hilfreich. Zudem meinte sie: „Wenn ich mal ganz ehrlich bin, hätte ich gern mehr Geld für meine Arbeit und nicht für meine Versicherung.“

Im Schadensfall, nannte sie ein weiteres Problem, liege die Beweislast bei den Hebammen. Sie müssten dokumentarisch nachweisen, dass sie keine Schuld treffe. Wenn ihnen Schuld zugesprochen werde, liege es in der Regel nicht am Handeln während der Geburt, sondern an unzureichender Dokumentierung, anhand derer die Unschuld beweisbar gewesen wäre.

Keine Geburt ohne Hebamme

Erdmann nannte einige Zahlen zur Veranschaulichung der Rolle von Hebammen bei Geburten: Zwar stehe die Zahl von nur 1,7 Prozent außerklinischer Geburtshilfe im Raum. Tatsache sei aber: 18,3 Prozent aller Geburten in der Klinik würden allein von Hebammen durchgeführt – und 100 Prozent aller Geburten würden von Hebammen begleitet, auch wenn ärztlicherseits geholfen werde. Man könne sie also nicht einfach wegrationalisieren.

Trotzdem drohe eine Art Berufsverbot für Hebammen, beschrieb Gerda Kieninger (SPD) die Situation: Sie könnten die Versicherungsprämie kaum noch bezahlen, und ab Sommer nächsten Jahres könnten sie es definitiv nicht mehr, weil es dann nach jetzigem Stand keine Versicherung mehr gebe, die sie versichere. „Wir werden keine Zukunft ohne Kinder haben“, fügte sie hinzu – deshalb seien Hebammen so wichtig. Im Sozialausschuss (Vorsitz Günter Garbrecht, SPD), der das Thema ebenfalls heute beraten hat, schlug sie einen von der Allgemeinheit getragenen Fonds vor. Walter Kern (CDU) zeigte sich zuversichtlich, dass unter Federführung von Bundesgesundheitsminister Herrmann Gröhe (CDU) in Kürze eine tragfähige Lösung gefunden werde. Insgesamt teilten alle Fraktionen die Sorge der Hebammen und das große Interesse an einer dauerhaften Lösung im Sinne der Hebammen, Frauen und Kinder.

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