Podiumsdiskussion „…und raus bist Du? Minijobs und Teilzeit nach Erwerbspausen“

Mit dem Schwerpunktthema „…und raus bist Du? Minijobs und Teilzeit nach Erwerbspausen“ wurde der Fokus des Equal Pay Day 2014 auf den dritten signifikanten Ursachenkomplex der Entgeltlücke gesetzt: Die nicht nur vorübergehende (Unter)-Beschäftigung von Frauen in Minijobs und Teilzeit nach Erwerbspausen.
Hier dazu ein Artikel unseres Praktikanten Mevlüt Özev, der die Podiumsdiskussion  des FRAUENNETZWERKs in der Städteregion Aachen und der Business and Professional Women besuchte:
„Als ich am Dienstag auf der Podiumsdiskussion, mit dem Titel „…und raus bist du? Minijobs und Teilzeit nach Erwerbspausen“, erfuhr, dass Frauen durchschnittlich 80 Tage unentgeltlich arbeiten müssen, bis sie das gleiche verdienen wie Männer, war ich ziemlich überrascht. Die Organisatoren der Veranstaltung, nämlich das FRAUENNETZWERK in der Städteregion Aachen und Business and Professional Women, erklärten entschieden, Frauen würden heute noch immer 22% weniger als Männer verdienen. Umgerechnet entspreche dieser Wert 80 Kalendertagen. Aus diesem Blickwinkel hatte ich die Entgeltdifferenz zwischen Frauen und Männern noch nicht betrachtet. Somit hatte sich meine Teilnahme an der Veranstaltung schon mal gelohnt. Fünf Politikerinnen aus der Städteregion Aachen waren eigeladen, um über den Verdienstunterschied von Frauen und Männern zu debattieren. Darunter auch die SPD-Landtagsabgeordneten Daniela Jansen, die im Landtag den Vorsitz für den Frauenausschuss innehat und sich politisch ohnehin mit dieser Problematik befasst.Den hoffnungsvollen Gesichtern der Frauen, die den Veranstaltungsraum füllten, konnte man ablesen, dass sie sich eine schnellstmögliche politische Regelung wünschen, um die Entgeltdifferenz zu bekämpfen. Da kam es nicht gelegen, dass die Grünen-Politikerin Hilde Scheidt gleich zu Beginn der Diskussion das Wort ergriff. Mit ihrer Aussage, sie glaube es würde noch einige Generationen dauern, bis sich die Lücke schließt, nahm sie den Besuchern den Wind aus den Segeln, die sich sichtlich nach einer schnelleren Lösung sehnen. Als die Forderung es müsse eine gesetzliche Regelung geben, die Runde machte, fiel auf, dass alle Politikerinnen dem zustimmten. Doch wie genau eine gesetzliche Regelung aussehen könnte, wurde nicht weiter thematisiert. Daniela Jansen verdeutlichte, um Mädchen für neue und ambitioniertere Berufe zu engagieren, müsse schon in der Erziehung angepackt werden, damit althergebrachte Rollenbilder nicht mehr zählen.
Als den wenigen Männern, die im Publikum saßen, das Wort erteilt wurde, kam aus dem Publikum der Einwand, dies sei eine Frauenveranstaltung und man möge den Männern nicht den Vortritt gewähren. Vielleicht war dieser Einwand berechtigt, dennoch lieferte mir diese Szene ein gutes Bild dafür, was der Veranstaltung fehlte: Die unzureichende Beteiligung von Männern aus Wirtschaft und Politik. Wenn man die Entgeltdifferenz von Frauen und Männern ernsthaft aus dem Weg räumen will, ist eine breite Debatte, die nicht nur Vertreterinnen, sondern auch Vertreter von Wirtschaft und Politik einbezieht undenkbar. Denn Frauen sind sich ohnehin einig darüber, dass die Entgeltdifferenz politisch reguliert werden muss. Dass es parteiübergreifend verschiedene Ansätze dazu gibt und geben wird gehört zur politischen Kultur unseres Landes. Doch ob Männer, die einflussreiche Posten in Unternehmen und politischen Gremien haben, dem zustimmen, steht in den Sternen.
Deshalb wird es wohl ohne Beteiligung von Männern keine Lösung geben.
Aus diesem Grunde sollte das Gespräch erst recht mit Männern stattfinden, um einen breiten Konsens innerhalb der Gesellschaft zu erreichen.“

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