Drei Fragen zu Kita-Themen und meine Antworten

Der Jugendamtselternbeirat der Stadt Aachen hat den Aachener Kandidaten aller Parteien drei Fragen zu Kita-Themen gestellt.
Die Fragen und meine Antworten auf diese Fragen können Sie hier einsehen.

Erste Frage:
Das Kinderförderungsgesetz sieht vor, bis zum Jahr 2013 das Angebot an Betreuungsplätzen für Kleinkinder zwischen einem und drei Jahren so auszubauen, dass ab dem 1. August 2013 ein Rechtsanspruch für alle Kinder in dem betreffenden Alter eingeführt werden kann.
Wo steht Aachen, und welche Maßnahmen sollten und müssen ergriffen werden, um diesen Anspruch zu erfüllen? Wie kann weiterhin eine bestmögliche Qualität der U3 Betreuung sichergestellt werden?

Meine Antwort:
Durch die Qualifizierung von Tagesmüttern und -vätern können wir in Aachen den Nachholbedarf aufholen. Der Verein „Familiäre Tagesbetreuung  e.V.“ bietet in Aachen eine 160 stündige Qualifikationsmassnahme für zukünftige Tagesmütter und -väter an. Hinzu kommen regelmässige stattfindende Weiterbildungsmassnahmen.
Wir setzen uns dafür ein, dass die in der Tagespflege arbeitenden Personen die Möglichkeit zur Vernetzung erhalten, damit im Krankheits- oder Urlaubsfall eine Vertretungsregelung bei den Kindern bereits bekannten Personen gewährleistet ist. Zudem fordern wir die Möglichkeit zur Weiterqualifizierung der in der Tagespflege tätigen Personen, um ihnen die Möglichkeit zu geben, in Erziehungsberufen tätig zu werden und somit dem Personalmangel entgegenzutreten. Deshalb bedauern wir, dass die Gleichstellung von Kitas und Tagespflege in Aachen erst durch das Inkrafttreten der Satzung ab 1. August 2013 mit großer Verspätung erfolgt. Das jetzige Dilemma rührt daher, dass die schwarz-grüne Ratsmehrheit viel zu spät die selbst verordnete Deckelung von nur  100 neuen U 3 Plätzen zusätzlich pro Jahr, viel zu spät und nur auf massiven Druck der SPD und der Freien Träger aufgegeben wurde. Jetzt wurde auch mit den Stimmen der SPD ein Ausbauprogramm beschlossen, das in die richtige Richtung weist, aber leider nicht dazu führt, zum 01.08.2013 für 35% der unter Dreijährigen einen Platz zur Verfügung stellen zu können. Außerdem werden die 35 %für eine Großstadt wie Aachen nicht reichen.

Die Qualität der U3 Betreuung kann nur durch die Qualifizierungsmassnahmen gewährleistet werden, aber auch dadurch dass das Berufsbild „Tagesmutter/-vater oder Erzieherin“ aufgewertet wird. Dazu gehört u.a. eine entsprechende Entlohnung, die die Attraktivität dieses Berufsbildes erhöht und auch der Wertschätzung entspricht, die wir als Gesellschaft den Menschen entgegenbringen müssen, denen wir unser höchstes Gut, nämlich unsere Kinder, anvertrauen.
Die Qualität der Kita kann und soll gesteigert werden. Eine AG auf der Ebene des Kinder- und Jugendministeriums NRW arbeitet bereits an der KiBiz-Reform II. Aber auch durch die letzte Reform hat es bereits qualitative Verbesserungen gegeben. Genannt sei hier nur die zusätzliche – allein vom Landfinanzierte –  zusätzliche Kindpauschale für die U 3-Gruppen.

Zweite Frage:
Eltern, Mitarbeiter und Leiter der Aachener Kindertagesstätten beklagen einhellig den Personalmangel an den Einrichtungen. Wo Stellen offen sind, können diese oftmals nicht besetzt werden, nicht zuletzt weil auch den entsprechenden Ausbildungsstätten der Region Kapazitäten fehlen.
Wie kann und sollte die Politik diesem Umstand begegnen?

Meine Antwort:
Erzieherinnen in Kitas sollten von allen erziehungsfremden Tätigkeiten, wie z.B. Wäsche waschen, Geschirr spülen etc. freigestellt werden. Diese Tätigkeiten sollen von Hilfskräften ausgeführt werden. Zudem müssen wir Massnahmen ergreifen, damit Erzieherinnen bis zum Erreichen des Pensionsalters in ihrem Beruf verbleiben. Die körperliche Beanspruchung müsste durch ergonomische Verbesserungen vermindert werden.  Auch ist eine entsprechende Personaldecke vorzusehen. Die rotgrüne Landesregierung hat – als einen wichtigen Schritt-  ein Förderprogramm für zusätzliche Berufspraktikantenstellenaufgelegt, um mehr Erzieherer/innen zu ermöglichen einen Berufsabschluss zu erlangen, bzw. ihre Ausbildung abzuschließen. Wir treten dafür ein, dass die Berufskollegs in die Lage versetzt werden, mehr Studienplätze für angehende Erzieher/innen zur Verfügung zu stellen.
Außerdem wollen wir die Arbeitsbedingungen für ErzieherInnen so umgestalten, dass diese, auch wenn sie älter werden, länger im Beruf bleiben können.

Dritte Frage:
Wo sehen Sie die Betreuung von Kindern im Vorschulalter in Aachen in 10 Jahren. Welche Entwicklungen erwarten Sie, welche wünschen Sie sich?

Meine Antwort:
Vorschulkinder sollten, besonders im letzten Vorschuljahr, gezielt auf den Schulbeginn vorbereitet werden. Wir fordern nicht nur eine „Verwahrung“ der Kinder, sondern eine gute, zuverlässige, wissens- und erziehungsvermittelnde Betreuung, die es den Eltern ermöglicht, ihr Familienleben mit dem Berufsleben zu vereinbaren. Wir fordern eine gezielte Förderung von Kindern, ganz besonders, wenn diese Kinder aus „finanzschwachen“ Familien kommen.  Jedes Kind in Deutschland soll die gleich Chance auf eine ausgezeichnete Bildung erhalten. Wir werden alles  dafür tun, dass die Kita-Beitragsfreiheit spätestens bis dahin erreicht ist. Gleichzeitig möchten wir die Qualität und Standards in den Kitas weiter verbessern. Die Tagespflege soll enger mit den Kitas kooperieren und die gemeinsame Erziehung von behinderten und nichtbehinderten Kindern muss eine Selbstverständlichkeit werden.

Weitere Informationen zur Umfrage des Jugendamtseltrerbeirates und das Original-Anschreiben finden Sie hier.

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.